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Interview mit G.I.S.T.


G.I.S.T. betreibt auf Instagram die kapitalistische Bibliothek, wo er Bücher zu Kapitalismus und Gesellschaft vorstellt und Zitate kapitalistischer Denker postet. Da ich mich selbst als Anarcho-Kapitalisten im Sinne von Hans-Hermann Hoppe sehe, habe ich G.I.S.T. um ein Interview gebeten, dem er freundlicherweise zugestimmt hat. Im Folgenden meine 13 Fragen und G.I.S.T.s Antworten.

 

 

1 – Du glaubst an den Kapitalismus – während viele Menschen sehr unzufrieden mit dem aktuellen System sind und „dem Kapitalismus“ die Schuld geben. Wie passt das zusammen? Leben wir überhaupt im Kapitalismus?

 

Ganz klar Nein! Unser aktuelles System ist vielmehr eine Mischung aus dem Korporatismus und dem Keynesianismus (wobei es natürlich auch noch kleine Restelemente vom Kapitalismus und dem Ordoliberalismus gibt). Korporatismus ist ein Wirtschaftssystem, indem der Staat und die private Wirtschaft sowie gesellschaftliche Gruppen nach und nach zu „einem Körper verschmelzen“. Das heißt, die Grenzen zwischen Staat und privaten Unternehmen lösen sich auf, ohne dass der Staat die Unternehmen verstaatlicht. Die sichtbarste Ausprägung des Korporatismus ist der Lobbyismus, durch den verschiedene Wirtschaftsverbände an der Gesetzgebung mitwirken. Lobbyismus wäre im Kapitalismus undenkbar. Keynesianismus ist eine wirtschaftliche Denkschule, die kurz gesagt den Staat in der Pflicht sieht bei seinen Bürgern eine Nachfrage nach Konsumgütern zu generieren, um so die Wirtschaft am Laufen zu halten. Sichtbare keynesianische Strukturen sind unter andrem das Weltweit verbreite Fiatgeldsystem sowie die immer größer werden Staatsschulden. Auch diese beide Aspekte wären in einem kapitalistischen System undenkbar.

 

[Anmerkung: Fiatgeldsystem = Währungen wie z.B. Euro und Dollar sind durch keine realen Werte gedeckt, es ist reines Papiergeld, das seine (abnehmende) Kaufkraft nur hat, weil der Staat es zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt. Derartiges Geld kann in beliebiger Menge von den Notenbanken erschaffen werden. Historisch gesehen führt das immer wieder zu schweren Wirtschaftskrisen.]

 

 

2 - Du bist also auch unzufrieden mit dem aktuellen System. Wie würdest du die derzeitige Gesamtsituation in Deutschland mit einem Satz beschreiben?

 

Durch die staatliche Geldpolitik der letzten Jahrzehnte haben sich in Deutschland toxische Strukturen entwickelt, die dafür sorgen, dass sich die Gesellschaft immer mehr spaltet und damit ein Kampf jeder gegen jeden um die staatlichen Geldtöpfe entbrennt, was durchaus in einem Kollaps enden könnte. Die wachsende Unzufriedenheit und die Konflikte kann man im Kleinen schon länger z.B. auf Twitter beobachten. Zudem gibt es mittlerweile fast täglich Demonstrationen und Aufmärsche von „Links“ und „Rechts“ sowie vermehrt politische Anschläge. Ich gewinne dabei den Eindruck, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis es zu den ersten Straßenkämpfen kommt. Berlin wurde ja schon mittlerweile zu Europas Mord-Hauptstadt erklärt. Wenn es soweit kommen sollte, wird das den Staat wahrscheinlich in die Knie zwingen.

 

 

3 - Ist dieser Zustand Teil deiner Motivation zur Gründung der kapitalistischen Bibliothek gewesen?

 

Ja, durchaus. Auch ohne staatlichen Kollaps steht uns mindestens eine wirtschaftliche Rezession bevor, sowie wir auch das Ende der EU erleben könnten. Allerdings glaube ich nicht daran, dass das Ganze in einem blutigen Bürgerkrieg o.ä. enden wird. Vielmehr wird sich die Gesellschaft neu sortieren und nach wenigen Jahren wird es wieder zu einem wirtschaftlichen Aufschwung kommen. Ich halte es für wichtig, dass schon vor der wirtschaftlichen Rezession möglichst viele Menschen die Hintergründe dazu durch wirtschaftliches know-how nachvollziehen können, um danach für die richtigen Entscheidungen ihre Stimme erheben zu können, ehe wir die Weichen wieder aufs nächste Desaster stellen.

 

Die Hauptmotivation liegt für mich entsprechend darin Menschen dafür zu begeistern sich über Kapitalismus aus erster Hand zu bilden. Das heißt für mich interessierte Menschen zu unterstützen, sich bei der gewaltigen Menge an Literatur über Kapitalismus zurechtzufinden. Gleichzeitig möchte ich falsche Vorstellungen über den Kapitalismus auflösen und die bunte Schar von Kapitalismuskritikern zum kritischen Nachdenken anregen. Gerade auch jungen Menschen möchte ich zur Seite stehen, unser aktuelles System besser verstehen zu können. Beispielsweise mache ich dies bei den Mitgliedern der Antikommunistischen Aktion (Kurz AntiKom oder AKA) – eine Gruppe junger, aufrichtiger und freiheitsliebender Menschen, die genug von der kollektivistischen Bevormundung von Links und Rechts hat, und in ihrem Leben echte Freiheit erleben möchte.

 

Netter Nebeneffekt für mich: Ich selbst werde mir noch einmal gewahr, was in einzelnen Theorien eigentlich genau beschrieben wird. Das hilft mir in persönlichen und privaten Gesprächen.

 

 

4 - Wie würdest du "Kapitalismus" eigentlich definieren?

 

Am kürzesten kann ich Kapitalismus mit dem Wort „Eigentum“ oder „Vertragsfreiheit“ vollumfänglich definieren, wobei sich letzteres aus ersterem direkt ergibt. Kapitalismus bedeutet die absolute Achtung von Eigentumsrechten (und damit eine maximal gewährleistete Vertragsfreiheit). Das heißt, dass jeglicher Eingriff in das Privateigentum von Personen - und hier gehört der Körper einer Person im Sinne des Selbsteigentums explizit dazu - automatisch antikapitalistischer Natur ist (woraus sich die Ethik der Freiheit (Murray Rothbard) bzw. die Ethik des Eigentums (Ludwig von Mises) ergibt). Jede Verpflichtung und jedes Verbot, was das Eigentum einer Person betrifft ist im Sinne des Kapitalismus unrechtmäßig. Das gilt universell für alle Menschen. Das heißt Kapitalismus setzt sich für die Eigentumsrechte von Reichen, von Armen, von Männern, von Frauen, von Kindern, von Alten, von Einheimischen und von Ausländern gleichermaßen ein. Sexualität, Religion und ähnliches spielt dabei ebenfalls keine Rolle.

 

Etwas technischer kann Kapitalismus im Sinne des großen Ökonomen Ludwig von Mises als eine kooperative Wirtschaftsordnung, die auf dem Privatbesitz an den Produktionsgütern beruht, definiert werden. Daraus ergibt sich dann das freie Unternehmertum, ein freier Marktpreis und eine Steuerung des Wirtschaftsgeschehens durch den Markt, sprich den Konsumenten – zusammengefasst die absolute Achtung von Eigentumsrechten. Die Definition, die Ludwig von Mises verwendete wird auch heute noch bei Wikipedia und beim Duden geführt und entspricht damit dem aktuellen wissenschaftlichen Verständnis von Kapitalismus.

 

Neben der Betrachtung von Kapitalismus als Wirtschaftsordnung kann man Kapitalismus ebenso als Gesellschaftsordnung (nach Mises die Gesellschaftsordnung, in der die Grundsätze des Liberalismus vollständig umgesetzt sind) oder Historisch als Epoche (nach Mises die aktuelle Epoche, da der gesamte Wohlstand und Fortschritt auf den Institutionen des Kapitalismus beruhen, selbst wenn der Kapitalismus als solcher noch nie existiert hat) aufgefasst werden.

 

 

5 - Und "Sozialismus"?

 

Sozialismus werte ich vor allem im Sinne von Marx als die Wirtschafts- und Gesellschaftsform, welche die Vorstufe zum Kommunismus darstellt. In diesem Sozialismus wird das im Kapitalismus garantierte Privateigentum an den Produktionsmitteln nach und nach aufgelöst und zu Gemeinschaftseigentum/Staatseigentum umgewandelt. Das Endziel des marxschen Sozialismus ist der Kommunismus als klassenlose Gesellschaft, in der es kein Privateigentum an den Produktionsmitteln mehr gibt. Das heißt natürlich auch, dass es DEN Kommunismus noch nie gegeben hat. Alle sozialistischen Experimente, die den Kommunismus etablieren wollten, sind irgendwann im Stadium des Sozialismus gescheitert.

 

Gleichzeitig fasse ich Sozialismus als politische Idee auf, welche bestrebt ist, das Privateigentum ganz oder zum Teil aufzulösen. Ein politischer Sozialist muss daher nicht automatisch fordern, dass das Privateigentum sofort zu 100% aufzulösen ist, sondern es reichen auch schon kleine Schritte, die das Privateigentum missachten. Eine sozialistische Forderung beinhaltet damit immer eine etwas stärkere Zerstörung des Privateigentums, wodruch auch die Grünen und die SPD als Sozialisten gelten müssen, da auch sie mehr Eigentumsrechte auflösen wollen, auch wenn sie offiziell nicht den Kommunismus als Endziel ihrer Politik definiert haben. Sozialisten geben sich also per se nicht mit dem aktuellen Stand des Systems zufrieden und empfinden dieses immer als noch zu kapitalistisch. Selbst dann, wenn bereits 90% der Produktionsmittel in Staatshand liegen sollten.

 

 

6 - Was glaubst du, wie beide Begriffe in der öffentlichen Wahrnehmung hauptsächlich interpretiert werden?

 

Viele Menschen setzen unser aktuelles System sehr unreflektiert mit dem Kapitalismus gleich. Dies liegt durchaus an Intellektuellen, wie z.B. Jean Ziegler, der nicht müde wird zu behaupten, Kapitalismus tötet (wobei glasklar das genaue Gegenteil der Fall ist) und damit dafür sorgt, dass Menschen alles Negative in dieser Welt auf den Kapitalismus projizieren. Das trifft den Zahn der Zeit und befriedigt das Bedürfnis vieler Menschen einen Sündenbock für das eigene Scheitern verantwortlich machen zu können. Kapitalismuskritiker können eben im Kapitalismus sehr viel Geld und Anerkennung verdienen.

 

Das sorgt dann dafür, dass etliche – gerade junge Menschen – die Gleichungen Kapitalismus = Böse und Sozialismus/Staat = Gut erstellen. Durch solche falschen Gleichungen enden jungen Menschen dann gerne in pseudooppositionellen Gruppierungen wie den Fridays for Future, der Antifa oder der Identitären Bewegungen.

 

Es gibt natürlich auch Öffentlichkeitswirksam eine Reihe von Kapitalismus-Befürwortern. Namentlich sind da z.B. Peter Altmeier oder Christian Lindner zu nennen. Allerdings verstehen diese Menschen den Kapitalismus auch nicht richtig (was dazu führt, dass auch die kapitalismusfreundlichen Menschen ein falsches Bild von Kapitalismus erhalten) und kommen daher auf die verrückte Idee, man könnte den Kapitalismus bändigen ohne Sozialismus einzuführen. Vor solchen Ansätzen haben Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek schon sehr früh nach dem zweiten Weltkrieg gewarnt.

 

 

7 - Ist Kapitalismus unsozial?

 

Das obliegt zunächst der Definition von "sozial". Wobei schon Friedrich August von Hayek und Roland Baader zeigen konnten, dass das Wort "sozial" ein Wieselwort ist, da das allermeiste, was sich "sozial" schimpft im Grunde das genaue Gegenteil davon ist.

 

Die kapitalistischen Institutionen haben dafür gesorgt, dass heute jeder im Westen wohlhabender ist als ein König im Mittelalter ist. Jeder kann sich heutzutage z.B. eine bessere Hygiene oder eine bessere Gesundheitsversorgung als ein mittelalterlicher König leisten. Seit der industriellen Revolution haben 80% der Menschen Weltweit die absolute Armut verlassen, bei gleichzeitigem Bevölkerungswachstum und das trotz den Massen an Geldern, die sinnlos in Kriegen und staatliche Prestigeprojekten verbrannt werden. Auch heute verlassen sekündlich Menschen die Absolute Armut. Man muss sich da nur die Wirtschaftswunder anschauen, die China und Indien gerade erleben. Das haben die Menschen vor allem den Restelementen an Kapitalismus zu verdanken, die es noch gibt.

 

Natürlich sorgt Kapitalismus nicht dafür, dass jeder ohne Anstrengung sofort leben kann wie Gott in Frankreich. Armut ist schließlich nicht das Ergebnis irgendwelcher kapitalistischen Prozesse, sondern der Ausgangspunkt des menschlichen Seins. Wohlstand ist nicht einfach da, sondern er muss erst nach und nach entstehen. Jeder, der die Armut verlassen will, muss daher im Kapitalismus seinen Mitmenschen einen Mehrwert bieten. Andernfalls wird er kein Geld verdienen, um sich seine eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können. Und auch für die Armen und Schwachen, die es nicht aus eigener Kraft schaffen die Armut zu verlassen (oder wegen Drogen o.ä. wieder zurück in die Armut verfallen), muss jeder freiwillig sorgen, der will, dass es diesen besser geht. Echte Solidarität zeigt sich schließlich darin, dass man mit seinem eigenen Geld oder seiner eigenen Zeit den Menschen hilft, zu denen man sich solidarisch zeigen möchte und nicht darin, dass man den Staat anbettelt, dass er doch bitte diese Verantwortung übernehmen soll. Erzwungene Solidarität ist keine Solidarität. Ob man das nun unterm Strich als sozial oder als unsozial bezeichnen will, bleibt dann jedem selbst überlassen, die Entscheidung werde ich niemanden abnehmen.

 

 

8 - Werden wohlverstandener Kapitalismus und die damit assoziierten Meinungen und Schriften unterdrückt? Falls ja, warum?

 

Nein, den Eindruck habe ich nicht. Durch das Internet und der Arbeit, die vor allem das Ludwig von Mises Institut in Deutschland und in den USA leistet, steht der Großteil der vernünftigen Wirtschaftsliteratur entweder kostenfrei zur Verfügung oder kann für ein sehr fairen Preis bei bekannten Buchhändlern erworben werden. Man kann schon fast sagen, dass ökonomische Unmündigkeit heutzutage selbstverschuldet ist.

 

Natürlich fragen viele gesellschaftliche Organisation und Parteien diese Schriften nicht nach. Das verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass Ludwig von Mises u.a. den Sozialismus und den Interventionismus denklogisch widerspruchsfrei widerlegt hat. Die Weltsicht von den entsprechen Gruppierungen wird dadurch mehr als nur in Frage gestellt. Da ist es nur natürlich, dass diese Gruppierungen versuchen diesen Schriften auszuweichen. Allerdings haben es dadurch gerade junge Menschen schwer an diese Schriften zu gelangen, weil es nur natürlich sie ist die Autorität, die von Lehrern und Politikern ausgeht, zunächst nicht in Frage zu stellen. Ich selbst habe von Ludwig von Mises auch erst erfahren, nachdem ich das Abitur abgeschlossen hatte. Umso mehr freut es mich zu erfahren, dass immer mehr junge Menschen Ludwig von Mises und Hans-Hermann Hoppe lesen. Der jüngste, von dem ich weiß ist gerade einmal 13 Jahre alt.

 

 

9 - Wie steht es deiner Meinung nach generell um die Meinungsfreiheit in Deutschland?

 

Das freie Wort ist aus kapitalistischer Sicht ein hohes Gut, was es zu verteidigen gilt. Eine Analyse aus kapitalistischer Sicht der aktuellen Situation kommt dennoch zu anderen Ergebnissen, als es allgemein von Links und Rechts gesehen wird.

 

Zunächst einmal ist zu betonen, dass Meinungsfreiheit ein sehr schlechtes Konzept ist, um das freie Wort zu verteidigen. Die bessere Alternative ist die Redefreiheit. Bei der Redefreiheit geht es nicht um den Schutz einer bestimmten Äußerung (= „Meinung“), sondern um den Schutz der Möglichkeit irgendetwas sagen zu dürfen. Die Rede – also die Tatsache, dass man sich äußert (und nicht Inhalt) – wird durch die Redefreiheit geschützt. Eine Einschränkung der Redefreiheit findet nur statt, wenn durch die Äußerung Eigentumsrechte von anderen missachtet werden. Beispielsweise würde ein Kinobesucher die Eigentumsrechte von allen anderen Kinobesuchern missachten, wenn er während der Vorstellung ungerechtfertigt „FEUER!“ ruft und das Kino daraufhin evakuiert wird. Hier wäre die Redefreiheit eingeschränkt, da die Eigentumsrechte grundsätzlich schwerer wiegen.

 

Das Problem bei der Meinungsfreiheit liegt in der staatlichen Möglichkeit Meinungen Problemlos einzuschränken ohne sie zu zensieren. Die freie Meinungsäußerung wird automatisch dadurch eingeschränkt, indem bestimmte Äußerungen nicht mehr als „Meinung“ gewertet werden. Im Grundgesetz (Art. 5 Abs. 2) finden sich entsprechende Einschränkungen des freien Wortes durch die persönliche Ehre, dem Jugendschutz und dem „allgemeinen Gesetz“. Dadurch können z.B. Aussagen, die in dem Bereich der „Hasskriminalität“ fallen könnten (aktuell kennt das deutsche Rechtssystem noch kein Straftatbestand „Hassverbrechen“) in Zukunft nicht mehr als Meinungen, sondern als Verbrechen gewertet werden. Dieses mag vielleicht vielen im Falle der „Hasskriminalität“ als sehr sinnvoll erscheinen. Allerdings kann auf der gleichen Art und Weise genauso jede andere Art von Äußerungen von einer Meinung zu einem Verbrechen umdefiniert werden. Dennoch findet im Sinne des Grundgesetzes keine Zensur statt, wie das Grundgesetz (Art. 5 Abs. 1) auch selbst betont. Durch das „Gewähren“ der freien Meinungsäußerung hat sich der Staat ein sehr mächtiges Vehikel gesichert, mit dem er ohne Zensur das freie Wort beliebig einschränken kann. Diese Macht sollte ein Staat grundsätzlich nicht haben, denn der Machtmissbrauch ist sehr wahrscheinlich.

 

Ein ganz anderer Punkt ist, dass Menschen aufgrund ihrer Meinungsäußerung privat und/oder beruflich benachteiligt werden. Hier sei erstmal betont, dass dies keine Zensur ist, da Zensur per Definition nur vom Staat und seinen Institutionen ausgehen kann und es idR nicht der Staat ist, der diesen Leuten Probleme für ihre Meinungsäußerung bereitet. Allerhöchsten handelt es sich hierbei also um „vorauseilenden Gehorsam“ oder „Selbstzensur“. Ein weiterer Aspekt ist, dass das Privateigentum ohnehin beinhaltet, dass andere Personen ohne Grund von diesem ausgeschlossen werden können, da niemand das Recht hat das Eigentum einer anderen Person zu nutzen – man bekommt allerhöchstens die Erlaubnis das Eigentum zu nutzen. Damit liegt das Problem nicht beim Auslisten der „AfD-Hirse“ durch den Händler BioMare und auch nicht darin, dass der MDR sich vom bekennenden Linke Kabarettisten Uwe Steimle getrennt hat. Das Problem ist vielmehr, dass bestimmte Personen und Organisationen durch ihre gesicherte staatliche Versorgung sich keine Sorgen darum machen müssen, wenn sie Menschen mit „falschen“ Meinungen aussortieren. So wird z.B. HessenFilm nicht daran zu Grunde gehen, weil sie die Zusammenarbeit mit Hans Mending wegen eines Mittagessens mit Jörg Meuthen beendet haben. Selbst wenn in Zukunft jeder alle Produktionen von HessenFilm boykottiert. Im Gegensatz zu vollständig privatfinanzierten Unternehmen braucht sich das staatlich finanzierte Unternehmen keine Fragen über die Außendarstellung stellen. Gleichzeitig wird durch eine enorm hohe Abgabenlast und anderen staatlichen Einschränkungen eine Monopolisierung vorangetrieben, wodurch kaum Alternativen für die Betroffenen entstehen können.

 

 

10 - Welche kapitalistischen Denker sind dir persönlich am liebsten und wie hast du zu ihnen gefunden?

 

Mein persönliches Vorbild ist ganz klar Ludwig von Mises. Er verteidigt stehts seine Überzeugungen und hat durch seine Arbeit das gesamte ökonomische Verständnis auf eine neue Stufe gehoben. Insbesondere das Handlungsaxiom ist hier hervorzuheben. Auch Hans-Hermann Hoppe ist für mich ein unglaublicher Denker. Ich persönlich würde ihn aus größten Philosophen des 21. Jhd. bezeichnen (und bezweifele, dass sich das in den nächsten 80 Jahren noch ändern wird). Zu beiden gelangt man zwangsläufig, wenn man sich mit Kapitalismus auseinandersetzt. Ihre Theorien werden innerhalb und außerhalb der österreichischen Schule hochgeschätzt. Z.B. konnte selbst das sonst sehr linke Wikipedia beim Artikel über Ludwig von Mises „Wirtschaftsrechnung im Sozialismus“ nicht einen Kritiker heranziehen, welcher Ludwig von Misess Beweis zr Undurchführbarkeit des Sozialismus etwas entgegen setzten konnte. Die Tatsache, dass Ludwig von Mises recht hat, wird auch bei Wikipedia neidlos anerkannt.

 

[Anmerkung: Es gibt viele Vorträge von Hans-Hermann Hoppe bei YouTube, sowohl in englisch als auch in deutsch.]

 

 

11 - Bei Hans-Hermann Hoppe kriegen "die Intellektuellen" ja ordentlich auf die Mütze - obwohl er selbst einer ist. Welche Rolle spielen "die Intellektuellen" deiner Meinung nach in der Gegenwart?

 

Mein Eindruck ist, dass einige Intellektuelle ein sehr stark ausgeprägtes Bedürfnis nach Geltung haben und sich daher wirkmächtig in der Öffentlichkeit zu Themen äußern, von denen sie eigentlich nichts verstehen. Da Autoritätsargumente für etliche Menschen in Deutschland scheinbar immer noch eine Bedeutung haben, nehmen sie die Aussagen der Intellektuellen für voll, ohne zu hinterfragen welches Verständnis der Intellektuelle zu dem Thema, zu dem er sich äußert, hat.

 

Gefährlich wird es, wenn Intellektuelle anfangen Zwang und Gewalt zu rechtfertigen oder einzufordern. Zwang und Gewalt erscheinen im Antlitz intellektueller Rechtfertigung auf einmal sehr harmlos und so wird der Intellektuelle zum Wegbereiter des Totalitarismus. Bewusst oder unbewusst - gewollte oder ungewollt, dass spielt dabei gar keine Rolle.

 

 

12 - Angenommen, du könntest ein kapitalistisches Buch zur Pflichtlektüre in jeder Schule machen, welches wäre es?

 

Ich würde mir wünschen, dass das Bildungssystem privatisiert wird, so dass so etwas gar nicht möglich wäre. Ich würde auch verzichten, wenn ich die Entscheidung treffen könnte.

 

Allerdings lege ich jedem Schüler nahe "Wirtschaft wirklich verstehen" von Rahim Taghizadegan und "Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung" von Rainer Zitelmann zu lesen, um grundsätzlich zu verstehen wie Wirtschaft funktioniert und wozu Kapitalismus führt und wozu nicht. Beide Bücher sind leicht verständlich und schnell zu lesen und bringen das Wesentliche auf den Punkt. Allein mit dem Wissen, was in diesen beiden Büchern steckt, kann man einen Großteil der Kapitalismuskritiker bereits wiederlegen.

 

 

13 - Welche drei kapitalistischen Prinzipien bzw. Mechanismen sollte jeder Mensch verstehen?

 

Der Grenznutzen, das Gewinnmotiv und die Zeitpräferenz. Alle drei Konzepte sind sehr leicht zu verstehen und ermöglichen durch logische Schlussfolgerungen eine Bandbreite von weiteren Konzepten und helfen auch aktuelle Forderungen für die Wirtschaftspolitik sehr gut bewerten zu können.

 

[Anmerkung: Drei fundamentale Prinzipien, die auch außerhalb eines rein wirtschaftlichen Kontexts wichtig sind.]