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Interview mit Ben Ewert


Ben Ewert betreibt die Instagram-Seite mentalegesundheit, wo er unter dem Slogan 'Energie für deinen Kopf' Beiträge zu persönlichem Wachstum und Balance im Leben veröffentlicht. Da sich diese Themen auch durch all meinen Content ziehen, hab ich Ben um ein Interview gebeten, dem er freundlicherweise zugestimmt hat. Im Folgenden meine 14 Fragen und Bens Antworten.

 

1. Mentale Gesundheit ist ja ein riesiges Thema, das praktisch jeden Menschen betrifft. Wie würdest du mentale Gesundheit in einem Satz definieren?

 

Mental gesund ist für mich jemand, der verstanden hat, dass sein Glück und seine Zufriedenheit in ihm selbst zu finden sind. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass wir eine gigantische Anzahl mental ungesunder Menschen in Deutschland haben.

 

[Anmerkung: Volle Zustimmung. Mehr zum "im Selbst finden" z.B. hier: Innere Sonne]

 

 

2. Wo wir gerade bei Definitionen sind: Wachstum und Balance, wie definierst du diese beiden Begriffe im Kontext von mentaler Gesundheit?

 

Balance ist der Grundpfeiler. Solange ich in Dysbalance mit mir selbst lebe kann ich nicht wachsen. Balance und Wachstum gehen Hand in Hand. Ich unterscheide dabei aber ganz klar nach innerem und äußerem Gleichgewicht.

 

a. Inneres Gleichgewicht bedeutet für mich, dass ich mich selbst akzeptiere. Es impliziert sowohl ein Verständnis als auch eine Akzeptanz für alles was ich bin und für alles was ich bis hierher getan habe. Ich habe erkannt, dass ich verantwortlich bin für die Dinge die in meinem Leben ab einem bestimmten Punkt geschehen oder eben nicht geschehen sind. Ich bin quasi mündig bzw. habe die Macht erkannt die meinem Menschsein innewohnt. Moralische Vorstellungen der Gesellschaft sind zwar schön und gut aber ich habe meinen eigenen Wertekanon aufgrund der Erfahrungen die ich gemacht habe entwickelt und bin selbst in der Lage zwischen Unrecht und Recht zu differenzieren bzw. bin ich mir der tieferen Dialektik bewusst die dahinter liegt und muss mir nicht mehr von der Tagesschau erzählen lassen wer die Guten und wer die Bösen sind.

 

[Anmerkung: Schön gesagt. Zum Vertiefen siehe z.B. Moral]

 

b. Äußeres Gleichgewicht bedeutet für mich, dass ich mit meinen Lebensumständen in maximal möglichem Einklang bin. Sowohl mein berufliches, soziales, kulturelles, und familiäres Umfeld. Um dieses zu erreichen ist aber ein inneres Gleichgewicht unumgänglich. Wie sollen die Dinge die mich umgeben in Balance sein, wenn ich es nicht bin? Aber hier sollte man Realist bleiben, es wird immer wieder zu Umständen kommen die ein inneres Gleichgewicht stark ins Wanken bringen bzw. komplett zerstören können, aber das ist gut so. Wir wachsen nur an den Herausforderungen bzw. den Schwierigkeiten denen wir begegnen und damit komme ich zu dem Begriff Wachstum.

 

c. Wachstum ist immer dann möglich wenn Aufgaben, Probleme oder Schwierigkeiten auftreten. Ich erreiche mein nächstes Plateau nicht, wenn ich mich davor verstecke. Bewusst in den Schmerz zu gehen bedeutet für mich Wachstum. Demzufolge ist Wachstum für mich das Erreichen der nächsten Stufe meines Seins = Je mehr Aufgaben, Probleme oder Schwierigkeiten ich erledigt habe, die mich zu meinen Zielen führen, je mehr bin ich gewachsen.

 

 

3. Warum sind Wachstum und Balance für die mentale Gesundheit so wichtig?

 

Unsere Balance ist eine Grundvoraussetzung um glücklich zu leben. Unser Streben nach Wachstum hält uns in Bewegung und damit gesund. Sowohl psychisch als auch physisch. Menschen die mental gesund sind füttern ihren Geist mit Wissen und befinden sich weiterhin auf der Suche nach Erkenntnissen. Solange wir streben, leben wir. Wir gehen Risiken ein und entdecken Neues. Wir sind Mensch. Sobald dieses Streben erlischt, degenerieren wir. Das habe ich häufig bei Menschen erlebt die in Rente gegangen sind, aber es im Laufe ihres Lebens verpasst haben sich neben der Arbeit ein eigenes Hobby aufzubauen. Diese Menschen sind wesentlich häufiger von Depression bzw. auch von physischen Krankheiten betroffen weil sie sich nicht mehr bewegen. Sie sehen keinen Zweck mehr in ihrem Sein und das macht sie krank, nicht umgekehrt so wie es viele Menschen annehmen.

 

 

4. Welche Begriffe sind dir im Kontext deiner Themen noch besonders wichtig und warum?

 

Selbstliebe. Täglich schreiben mir Menschen, die sich selbst nicht für wertvoll oder schön erachten und das ist eine Katastrophe. Diese Glaubenssätze zerstören ihr Leben im Keim. Wenn ich mich selbst nicht als wertvoll erachte, führe ich eine Partnerschaft die mir das täglich bestätigt. Ich mache einen Job den ich hasse, weil ich denke es nicht anders verdient zu haben. Ich opfere mich für andere auf und bin irgendwann einfach nur alt, traurig und verbittert. Das wünsche ich niemandem! Verantwortung. Leider ist sich ein Großteil meiner Mitmenschen, aber auch der Menschen die mir bei Insta schreiben nicht bewusst, dass Sie bestimmen können wie der Rest ihres Lebens aussieht. Mir schreiben Menschen mit Mitte 20, dass Sie sich nicht trauen ihren Job zu kündigen und das zu machen worauf sie Lust haben, weil sie Angst vor der Reaktion der Eltern haben. Das geht gar nicht für mich. Ich will nicht sagen, dass ich das nicht verstehen kann, aber wenn mich meine Eltern nicht mehr lieben weil ich den Job mache den ich liebe, dann machen meine Eltern ganz klar etwas verkehrt und nicht ich. Wie andere Menschen zu den Entscheidungen stehen die mich glücklich machen sollte nicht meine Sorge sein. Meine Sorge sollte sein welche Entscheidung mich glücklich macht, denn ich trage die volle Verantwortung für mein Glück und niemand anderes.

 

[Anmerkung: Volle Zustimmung. Viele Menschen könnten eine starke Infusion von Nietzsches Aristokratischer Wertgleichung vertragen. Gut = vornehm = mächtig = schön = glücklich = gottgeliebt. Siehe dazu auch mein Buch Vom Barbar zum Fürst und das bald erscheinende Kraft & Ausdauer.]

 

 

5. Wie stehst du zu dem Themenkomplex Schicksal vs. freier Wille und was impliziert das für das Thema mentale Gesundheit?

 

Ich finde das Konzept eines Schicksals für jeden Menschen interessant. Oft nutzen Menschen allerdings das Wort Schicksal um bestimmten Lebensumständen für die sie ganz offenkundig die Schuld tragen einen Namen zu geben z.B. Alkoholsucht, oder der Verlust des Arbeitsplatzes. Diese Dinge werden dann mit einem „Naja, Schicksal“ abgetan. Ich betrachte das Schicksal als die Ansammlung der Ereignisse die ich aufgrund meines begrenzten Horizontes nicht einzusortieren vermag. Diese Ansammlung kann sich allerdings in der Zukunft zu einem Gesamtbild ergeben welches umso sinniger wird, je mehr Informationen ich habe. Ich sehe das Schicksal nicht als eine vorgezeichnete Linie derer ich mich nicht entziehen kann. Der freie Wille ist für mich das mächtigste Instrument welches ich kenne, denn es sind genau die Menschen, die mit einem festen Willen daran glauben die Welt verändern zu können die, die es dann auch tun. Den Erfolg einzelner Personen wie Arnold Schwarzenegger zum Beispiel, welcher sich in 3 völlig verschiedenen Bereichen an die Spitze gekämpft hat als Schicksal oder Glück zu bezeichnen ist für mich völliger Quatsch.

 

[Anmerkung: Schön gesagt. Siehe zur Vertiefung auch Ewige Wiederkunft]

 

 

6. Was war deine Motivation zum Start deiner Instagram-Seite und was möchtest du damit erreichen?

 

Ich hab den Film „Joker“ im Kino gesehen und abgesehen mal davon, dass es das mit Abstand Beste war, was ich 2019 in den Medien gesehen habe, kam in mir die Frage auf: „Wie vielen Menschen geht es wohl so oder so ähnlich?“ , als ich mir dann diverse Statistiken zum Thema angesehen habe war ich bestürzt. Allein an Depression sind wohl circa 20% der deutschen Bevölkerung akut erkrankt bzw. waren in ihrem Leben daran erkrankt. Diese Zahl war für mich nicht akzeptabel. Besonders, da ich selbst betroffen war und mir keine Medikation und auch keine Psychotherapeuten geholfen haben, fühlte ich mich verantwortlich in diesem Bereich etwas zu tun.

 

 

7. Was hat dir deine Arbeit bei Instagram bisher persönlich gebracht?

 

Wissen über die Plattform, Spaß und Dankbarkeit. Da ich mich im Vorfeld damit beschäftigt habe wie Instagram funktioniert, würde ich sagen, dass ich allgemein Bescheid weiß wie man einen Insta-Account aufbaut. Also ein Bonus-Skill für mein restliches Leben. Spaß am Erstellen der Beiträge, den Kommentaren und Nachrichten. Dankbarkeit: ich bekomme fast täglich Nachrichten in denen mir geschrieben wird, dass meine Beiträge zum Nachdenken, Umdenken aber auch zum Hinterfragen der eigenen Denkmuster anregen und das finde ich salopp ausgedrückt ziemlich geil, weil ich genau das damit erreichen wollte. Geld verdiene ich aktuell damit nicht, trotz der Affiliatelinks. Das liegt daran, dass ich sowohl für Later als auch Canva circa 20€ im Monat bezahle.

 

 

8. Wie steht es um deine eigene mentale Gesundheit? Womit hast du im Alltag am meisten zu kämpfen?

 

Meine eigene mentale Gesundheit kollidiert in letzter Zeit häufig mit der Realität. Ich musste in 2019 verhältnismäßig viele Menschen aussortieren, da diese eine Bedrohung für meine Ziele darstellten. Ich hinterfrage mich oft dafür, ob die Entscheidungen die ich getroffen habe die Richtigen waren. Manchmal merkt man das erst Monate später, hier sehe ich bei mir starkes Wachstumspotenzial was das Vertauen in meine Entscheidungen angeht.

 

[Anmerkung: Das Vertrauen in die eigenen Entscheidungen - kriegsentscheidend!]

 

 

9. Worin siehst du aktuell die größte Bedrohung für die mentale Gesundheit der meisten Menschen?

 

Smartphones. Es ist als würden wir alle frewillig eine Kette mit Sträflings-Kugel tragen. Als würden wir Krankheiten sowohl psychisch als auch psychisch mit offenen Armen empfangen und über die Straßen rennen und rufen „Kommt alle her!“.

 

 

10. Welche Verbindung siehst zwischen mentaler Gesundheit und dem Zeitgeschehen, im Sinne von politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen?

 

Politik ist ein eklehaftes Thema. Besonders da man in Deutschland sofort in die linke oder die rechte Schublade gestopft wird, dazwischen gibt es ja „gefühlt“ gar nichts mehr. Ich denke als mental gesunde Person sieht man, dass die Medien aktuell den Fokus auf den Kampf zwischen Links und Rechts lenken bzw. durch eine ultra-linke Position befeuern wollen. Außerdem erkennt man, dass das schon immer ein dummer Kampf geprägt von Vorurteilen, fehlender Empathie und der Abstinenz von logischem Denken war. Jegliche Fokussierung auf die Dinge die uns trennen wird nie in einem Frieden für alle bzw. der „demokratischen“ Mehrheit resultieren. Um ehrlich zu sein, halte ich fehlende mentale Gesundheit für den größten Faktor der Anfälligkeit psychischer Krankheiten bzw. auch Unzufriedenheit der Bevölkerung besonders in Europa.

 

[Anmerkung: Volle Zustimmung. "Rechts" gegen "Links" ist einfach Teile-und-Herrsche live und in Farbe. Siehe dazu auch Anarchie]

 

 

11. Wie stehst du zum Thema soziale Medien?

 

Ich war und bin positiv zu sozialen Medien eingestellt. Leider geht das Potenzial immer mehr verloren, da es zur blanken Konsummaschinerie verkommt. Wir haben die Möglichkeit zu jedem Menschen mit Internetzugang Kontakt aufzunehmen und wofür nutzen wir dieses Potenzial? Um uns stundenlang Katzenvideos auf Youtube anzugucken. Durch soziale Medien erwählen wir die Götter unserer Zeit und diese heißen nicht „Der Herr“, „Odin“ oder „Allah“ sondern „Montana Black“, „Knossi“, Kim Kardashian etc. und durch das Smartphone haben wir zu jedem Zeitpunkt Zugriff auf ihre Beiträge und Videos und fühlen uns mit ihnen verbunden bzw. lassen wir uns in unseren Leben von Ihnen leiten. Ich meine Menschen wie du und ich machen das nicht, aber überleg mal wie wiele Millionen Kinder in der ersten Welt unbeschränkten Smartphonezugriff haben, spätestens ab der Pubertät. Und egal welchen Youtuber sie konsumieren, dieser hat einfach eine riesige Macht auf ihre Entwicklung. Da sehe ich ein krasses Risiko für die Zukunft der Menschheit. Die Generation die zu einem großen Teil blind die Inhalte des Fernsehers konsumiert hat soll nun Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit sozialen Medien vermitteln, aber wie soll das gehen, wenn sich das Leben der Eltern um „Das Supertalent“ oder Bingewatching auf Netflix dreht?

 

[Anmerkung: Volle Zustimmung. Siehe dazu auch Götter]

 

 

12. Welche drei Bücher oder Videos würdest du jemandem empfehlen, der gerade anfängt, an seiner mentalen Gesundheit zu arbeiten?

 

Im Großteil sind das die Bücher die ich auch in meinem Linktree habe:

Der Alchimist

Das Café am Rande der Welt

Wie man Freunde gewinnt

Das Robbins-Power Prinzip

Der reichste Mann von Babylon

Rich Dad, Poor Dad

 

Videos: Oscar Karem – 10 Dinge die Millionäre verstehen und arme Menschen nicht wissen

Oscar Karem – 10 Gründe die entscheiden ob man Erfolg hat oder im Leben versagt

 

Sind definitiv nicht die typischen Titel die man jetzt erwarten würde, aber ich hab durch die oben genannten Bücher wesentlich mehr über mentale Gesundheit gelernt als mit der einschlägigen Literatur. Auf die Videos von Oscar Karem bin ich erst vor kurzem gestoßen, er fasst dort bestimmt 5-10 Bücher die ich gelesen habe sehr gut zusammen bzw. bedient sich in seinen Äußerungen an hochqualitativer Literatur und hat dadurch in in seinen Videos eine gigantische Informationsdichte. Ich würde ansonsten kein Video empfehlen, da die meisten viel zu viel drumherum quatschen, aber diese Beiden bedenkenlos.

 

 

13. Welche konkrete Handlung oder Maßnahme würdest jedem empfehlen, der seiner Psyche etwas Gutes tun will?

 

In einen leeren Raum setzen und alle Geräte ausschalten. Für eine Stunde einfach existieren bzw. sein. Ganz bewusst beobachten: „Welche Gedanken tauchen in meinem Kopf auf, wenn ich mal völlig frei von Ablenkungen bin?“, “Wie geht’s mir überhaupt?“ Welche Ideen sind plötzlich da?, egal ob positive Gedanken oder negative Gedanken auftauchen bringt mich diese Übung einen großen Schritt näher zu mir und bekämpft die Hauptursache für innere Dysbalance, nämlich Distanz zu mir selbst.

 

 

14. Stell dir vor, Instagram schenkt dir für einen einzigen deiner Beiträge extrem große Reichweite. Sagen wir beispielsweise jeder deutsche Instagram-Nutzer bekommt den Beitrag beim nächsten Öffnen der App angezeigt. Was wäre dieser Beitrag und warum?

 

Es wäre der „Liebe dich selbst“-Beitrag, weil den Menschen, denen ich begegne Selbstliebe oft am meisten fehlt. Egoismus ist weit verbreitet, aber aus niederen Beweggründen wie Gier. Wahre Selbstliebe ermöglicht Wachstum, denn ein Nein zu anderen Menschen kann ein riesiges Ja zu mir selbst sein und dann ist es pure Entwicklung. Oft wollen wir Menschen nicht vor den Kopf stoßen und lassen uns dann zu Entscheidungen hinreißen die toxisch für uns sind.