Innere Sonne


Im Videospiel Dark Souls gibt es den Charakter Solaire von Astora, der sich seine eigene Sonne sucht.
Die Sonne ermöglicht erst Leben auf der Erde - entsprechend gut nachvollziehbar ist es, dass Menschen verschiedener Kulturen Jahrtausende lang die Sonne verehrt haben. Und auch heute werden mancherorts noch Feste anlässlich der Sonnenwenden gefeiert. Die Sonne am Himmel zu verehren ist allerdings etwas anderes, als wie Solaire sich seine eigene Sonne suchen zu wollen.
                                                                                  
Seine eigene Sonne kann man nur in sich selbst finden - nicht extern, außerhalb des Selbst.
Die innere Sonne im Sinne des aristokratischen Geistes, der Sonne statt Spiegel ist;
der neue Werte erschafft und jenseits von Gut und Böse selbst entscheidet, was richtig und falsch ist - anstatt lediglich seine Umwelt zu spiegeln.
Diese innere Sonne ist die eigene Schaffenskraft, die eigene Kreativität, die eigene seelische Energie.
                                                   
Diese Innere Kraft wird immer wieder mit Feuer assoziiert. 
Michael von Prollius schreibt in Freiheitsliebe beispielsweise:  "Sei Flamme statt Motte im Kampf für die Freiheit!" 
Oder im Satanismus, wo die Rede von der Schwarzen Flamme als kreative, seelische, Energie ist. Oder vielleicht die Schwarze Sonne im Neopaganismus.
Und in meinen eigenen Büchern der Begriff Inneres Feuer.
                                                              
Immer geht es um etwas, das brennt. Eine Flamme, ein Feuer, eine Sonne.
Etwas das brennt vernichtet das Brennmaterial und schafft dabei Wärme und ermöglicht so Leben.
Ohne die wärmende Strahlung der Sonne wäre kein Leben auf der Erde möglich, und gleichzeitig kann die Sonne dich auch verbrennen. 
Und verbrennt sich selbst, so dass sie in Millionen von Jahren erlöschen wird.
                                                                        
Feuer, das auf der Erde brennt, kann Häuser vernichten, Menschen verbrennen, zerstören und töten - und gleichzeitig wärmt es, kocht Lebensmittel und bringt Licht ins Dunkel.
Und so verhält es sich auch mit dem inneren Feuer. Es kann zerstören - oder erschaffen. Es kann verbrennen - oder wärmen.
                                                              
Aufgrund seiner zerstörerischen Kraft wird Feuer manchmal auch negativ geframed, zum Beispiel in Twin Peaks, wo das Gedicht
                                            
Through the darkness of future's past,
The magician longs to see.
One chants out between two worlds...
"Fire... walk with me."
                                                               
mit "dem Bösen" assoziiert wird.
                                                    
In jedem Fall ist Feuer mächtig, wobei Sonne die positivste Variante von Feuer ist. 
Vielleicht zieht Solaire deswegen aus, um sich seine ganz eigene Sonne zu suchen. 
So wie Menschen auszogen um den Heiligen Gral zu suchen.
In beiden Fällen ist es die Suche nach Macht in der äußeren Welt, statt in der inneren, der seelischen Welt.
                                                                                                           
Dieses Suchen im Externen ist problematisch. 
Im Äußeren nach Sinn, Macht, Bedeutung, oder Erlösung zu suchen, kann beispielsweise die Form von Gorden Gecko oder Darth Vader annehmen.
Wenn sich mein Leben an der Maxime "Gier ist gut" ausrichtet und ich aller Gordan Gecko nie genug habe, werde ich nie zufrieden sein und immer dem Geld hinterher rennen müssen.
Ich bin dann fremdbestimmt. Das Geld, der materielle Reichtum, bestimmt mich.
Oder wenn ich wie Darth Vader möglichst viel Macht über andere Menschen will. Dann wird mein Machtbereich nie groß genug sein und ich werde immer der Ausdehnung meiner Macht hinterher laufen.
Auch dann bin ich fremdbestimmt, vom meinem Machthunger.
                                                                                                             
Und, wahrscheinlich am relevantetsten, die Suche und das Streben nach externer Anerkennung. Wenn ich mein Handeln an den Reaktionen meiner Mitmenschen ausrichte, in der Hoffnung allen gefallen zu können, bin ich ebenfalls fremdbestimmt.
                                                                
Soll das jetzt heißen, dass wir am besten alles Externe ignorieren und uns nur noch dem Inneren, z.B. Spiritualität, Meditation und unseren Gedanken widmen sollten?
                         
Auf keinen Fall. Die Umkehr des einen Extrems in sein spiegelbildliches Gegenteil tauscht nur die Probleme, löst aber keine. 
                                                           
Die Lösung besteht in der Erkenntnis der eigenen Entscheidungsmacht. 
Die Macht selbst zu entscheiden, was richtig und falsch, genug und zu wenig ist.
Wenn ich bewusst entscheide, was ich an Externem, wie z.B. Geld oder Fremdbestätigung, noch brauche, dann ist die Abhängigkeit und die Fremdbestimmung schon durchbrochen.
Ein Mensch, der sich bewusst entscheidet, dass er noch x € mehr, die Anerkennung von Person Y oder andere Externa erringen möchte, ist ein anderer Mensch als jemand, der auf Autopilot immer mehr Geld, Anerkennung oder andere Externa erringen möchte.
Sich die Gründe für das eigene Handeln, seine eigenen Motive, bewusst zu machen - darauf kommt es an. 
                                                                          
Gleichzeitig geht die Macht der eigenen Entscheidungskraft letztlich weit über das Durchbrechen von Abhängigkeiten hinaus. 
Die Erkenntnis und das Bewusstsein, dass die eigene Entscheidungsmacht nicht nur das Selbst sondern auch die Welt beeinflussen kann, ist das Ende der Fremdbestimmtheit.
                                                     
Ein wunderbar übertriebenes Beispiel dafür findet sich am Ende des dritten Matrix-Films:
                                                                                                            
Smith: "Wieso, Mr. Anderson, wieso, wieso... Wieso tun Sie das? Wieso? Warum aufstehen? Warum weiterkämpfen? Glauben Sie wirklich, Sie kämpfen für etwas, für mehr als ihr Überleben? Können Sie mir sagen, was es ist, wissen Sie es überhaupt? Ist es Freiheit, vielleicht Wahrheit, vielleicht Frieden - könnt' es für die Liebe sein? Illusionen, Mr. Anderson, Launen der Wahrnehmung! Vorübergehende Konstrukte eines schwächlichen menschlichen Intellekts, der verzweifelt versucht, eine Existenz zu rechtfertigen, die ohne Bedeutung oder Bestimmung ist! Und sie alle sind genauso künstlich wie die Matrix selbst. Allerdings, nur menschlicher Verstand kann so etwas geschmackloses erfinden, wie die Liebe. Es müsste Ihnen möglich sein, es zu sehen, Sie müssten es inzwischen wissen! Sie können nicht gewinnen, es ist zwecklos weiterzukämpfen! Wieso, Mr Anderson, wieso, wieso bestehen sie darauf??"
                                                      
Neo: "Weil ich mich so entschieden habe."
                                     
Nichts externes gibt ihm die Macht, die Matrix / Smith zu besiegen, sondern seine Entscheidungskraft und seine Erkenntnis, dass er die Matrix / Smith beeinflussen und ihren Code verändern kann.
                                                                 
Und genau so ist es im Leben - wir können die Welt um uns herum, unsere Matrix, beeinflussen und verändern. 
In dem wir erschaffen und kreieren. Vor allem uns selbst, als Teil der Welt, und externes, wie beispielsweise Gebäude, Wissenschaft, Nachwuchs, Kunst und Kultur.
Diese kreative Schaffenskraft, die in Verbindung mit der eigenen Entscheidungsmacht das eigene Leben und in Summe aller Leben letztlich die Welt formt, ist die hell scheinende innere Sonne des aristokratischen Geistes - oder einfach befreite seelische Kraft.
                                                                                    
Solaire von Astora sucht nach seine ganz eigene Sonne extern, in der Welt, statt intern, in sich selbst. Und dieser Weg führt Solaire in Wahnsinn und Untergang.
Suchen und Sucht liegen vielleicht etymologisch nicht rein zufällig nah bei einander. 
In jedem Fall kannst du beim Suchen im Äußeren nichts finden, was im Inneren liegt und nur darauf wartet, erkannt zu werden.
                                                                                                                   
Praise the sun. Your own inner sun.