Das Spiel des Lebens

Der Umsatz der Videospielindustrie in Deutschland hat sich von 2016 auf 2017 von 2.904 € um 442 Mio. € auf 3.346 € erhöht. Das entspricht einem Plus von 15 %.
                                           
Laut Statistischem Bundesamt haben sich in 2015 939 Menschen im Alter von 15 bis 30 Jahren selbst getötet.  Von den 939 waren 716 männlichen Geschlechts und 223 weiblichen Geschlechts. Suizid ist somit in dieser Altersgruppe Todesursache Nummer eins.
                                                          
Gleichzeitig ist das vermutlich auch die Altersgruppe mit dem größten Videospielkonsum.
                                                                 
Keine Ahnung, ob es da einen Zusammenhang gibt, geschweige denn einen kausalen.
Ich habe auch nichts gegen Videospiele, habe früher selber gerne mal gezockt und werde es irgendwann bestimmt mal wieder tun.
Was man aber mit Sicherheit sagen kann, ist, dass Menschen die sich selbst töten, oder darüber nachdenken, keine Lust mehr auf das Spiel des Lebens haben.
                                                           
Das Wort Spiel kann verschiedene Bedeutungen haben, je nach Kontext. Es kann beispielsweise ein Video-, Karten- oder Brettspiel meinen. Oder eine Aufführung, ein Festspiel, ein Bühnenspiel. Oder ein Zusammenspiel verschiedener Elemente, im Sinne von "Das freie Spiel der Kräfte". Und wahrscheinlich gibt es noch viele andere Verwendungen bzw. Bedeutungen für das Wort Spiel. 
                                       
Und was ist dann das Spiel des Lebens? Was wird mit der Formulierung "Das Leben ist ein Spiel" gemeint?
Vermutlich meistens, dass man das Leben nicht so ernst und alles nicht so schwer nehmen soll.
Jemand, der sich umbringt, hat das Spiel des Lebens wahrscheinlich sehr ernst genommen.
                                               
Das passiert ja auch ganz leicht, da sich im Leben unser Ego ständig in alles involviert und uns einredet, das unser Selbstwert an x oder y hängt. Was Kindern oder sehr ehrgeizigen Personen natürlich auch regelmäßig bei Video-, Karten- oder Brettspielen passiert.
Wer kennt sie nicht, die Ausraster bei Spielen? Lustig für die Beobachter, deren Ego nicht ins Spiel investiert ist, unangenehm bis tragisch für den Ausrastenden. Bei Kindern führt das ja mitunter auch zu handfestem Streit, Tränen und so weiter. Weil sie unbedingt gewinnen wollen. Weil ihr Ego keine Niederlage erträgt.
                                     
Und im großen Spiel des Lebens? Wer spielt da um zu gewinnen? 
Jemand, der sich selbst tötet, muss davon überzeugt sein, dass er nie gewinnen wird oder dass das Spiel sinnlos ist. Und kein Wunder, sind die Regeln im Spiel des Lebens doch weitestgehend unbekannt. Anders ist es beispielsweise bei Videospielen. Die Regeln und Rahmenbedingungen mögen zwar sehr komplex sein, aber sie sind ermittelbar. Und es gibt ein klares Ziel: Gewinnen und das Spiel durchspielen.
Was bei vielen Spielen das Bestehen von vielen Kämpfen bedeutet. Und wofür kämpfen, der Sinn des Spiels, ist klar vorgegeben. 
                                                   
Ganz anders beim Spiel des Lebens. Der Versuch die Spielregeln zu ermitteln kann ein lebenslanger Versuch bleiben. Und vom Sinn des Spiels ganz zu schweigen. Ein paar Dinge sind aber vielleicht doch klar:
                                        
Im Spiel des Lebens wird unser Verhalten maßgeblich von Moralvorstellungen bestimmt. Was wir für gut und böse oder richtig und falsch halten, prägt unsere Handlungen. Und wir machen uns viele Gedanken darüber, was die anderen Spieler von uns denken. Oft basieren unsere Entscheidungen sogar auf den vermuteten Meinungen der anderen Spieler - auch wenn sie gar nicht im gleichen Team spielen wie wir. 
                                        
Anders in einem Videospiel: Du tust was zu tun ist, stellst dich mutig jedem noch so fiesen Endgegner und fürchtest nichteinmal den Tod. Und manchmal, wenn du anders nicht weiterkommst, schummelst du sogar. Du willst gewinnen, Level aufsteigen und das Spiel durchspielen - Jenseits von Gut und Böse.
                                                 
Aber im Spiel des Lebens... im echten Leben... da guckst du vielleicht nur zu. Oder bleibst auf der Ersatzbank. Weil... was heißt hier überhaupt gewinnen? Über das Ziel des Spiels gibt es viele verschiedene Meinungen und durchspielen bedeutet... vielleicht sterben?
                                   
In manchen Videospielen, ich denke da vor allem an Rollenspiele, ist die Spielwelt so groß und komplex, dass man den roten Faden verlieren kann. Vielleicht kommst du bei der Hauptquest nicht weiter weil dein Charakter noch nicht stark genug ist. Oder du findest den Weg einfach nicht. 
Wahrscheinlich wirst du dann entweder mühsam aufleveln, oder dir bei YouTube ein Walktrough anschauen, oder, wenn es nicht anders geht, vielleicht sogar cheaten. 
                               
Aber was du bestimmt nicht tun wirst, ist einfach stehen bleiben. Oder hier und da mit ein paar NPCs schnacken und einfach nur durch die Gegend bummeln. Weil das einfach zu langweilig ist. Also ziehst du doch wieder aus um das Fürchten zu lehren. Und suchst dir Gegner, die dich herausfordern, aber nicht überfordern. Und sammelst so Erfahrung und levelst auf, bis du stark genug bist, um die Hauptquest weiter zu spielen.
                           
Warum spielst du dein Leben nicht auch so?
                                       
Wahrscheinlich, weil du Angst davor hast, was dann die anderen Spieler und NPCs von dir halten.
Bezüglich derjenigen, die in deinem Team spielen, macht das in Maßen natürlich Sinn. 
Denn wie weit würdest du ohne dein Team schon kommen - im Spiel des Lebens.
Aber bezüglich derjenigen, die nicht in deinem Team spielen?