Verwirkliche dich selbst

 

Antwort auf Gunnars Video „Verwirkliche dich selbst

 

Zunächstmal: Ich finde das Gunnar ganz unauffällig im Subtext dem sich selbst verwirklichenden Menschen gewissermaßen einen unsoziales Geschmäckle gibt. Natürlich kann es un- oder sogar asoziale Menschen geben, die sich vermeintlich selbst verwirklichen. Und gleichzeitig gibt es auch Menschen, die un- oder sogar asozial sind und sich nicht selbst verwirklichen. Man kann also sicherlich nicht sagen, dass Selbstverwirklichung sozialschädlich ist.

 

Dann stellt Gunnar ja die Frage, wozu sich selbst verwirklichen, wenn diese Selbstverwirklichung dann auf nichts deutet, wenn eben kein höheres Ideal da ist als die Vervollkommnung des Selbst. Da beißt sich jetzt die Katze in den Schwanz. Wenn ich Bedeutung in meinem Leben will, und mir die nicht selbst geben kann, dann muss ich mir die extern suchen. Und da macht es doch jetzt einen Unterschied, ob ich mir diesen externen Bedeutungsspender, diese religiöse Struktur, dieses Höhere als das Selbst, fremdbestimmen lasse ODER mir bewusst und ganz subjektiv selbst aussuche!

 

An dieser Stelle kommt Gunnar jetzt mit seinem Massenmörder um die Ecke, dessen Werte, wenn letztlich alles subjektiv ist, als gleichwertig mit allen anderen Werten gelten müssen. Was macht „unsere“ Werte jetzt besser als seine?

 

Vielleicht folgendes: Zwei Dinge auf die sich wahrscheinlich alle Menschen der Welt einigen könnten, sind dass es

 

a) Menschliches Leid gibt und dass das real und nicht erstrebenswert ist, sprich weniger menschliches Leid ist besser als mehr menschliches Leid.

 

b) Variabilität gibt, also dass es endlose Variationen von Leben, Zusammenleben, Lebewesen, Menschen, Werten, Träumen, Möglichkeiten usw. gibt.

 

Und während Punkt b) theoretisch Platz für die Werte des Massenmörders hat, so verstoßen seine Werte doch gegen Punkt a) und machen den dann noch bleibenden riesigen Rest an Variation überlegen.

 

Eine religiöse Struktur, etwas Höheres außerhalb des Selbst, zu benötigen um Bedeutung im Leben zu finden, ist sicherlich zu tiefst menschlich. Und vielleicht DER Unterschied zwischen einem Gott und einem Menschen. Und wie Gunnar ja ganz richtig sagt, wir sind eben Menschen und keine Götter und werden diesen Unterschied nie überwinden können. Die Freiheit sich seine eigenen höheren Ideale und religiösen Strukturen ganz bewusst selbst auszusuchen anstatt sie sich vorgeben zu lassen, das ist vielleicht das Höchste was ein Mensch erreichen kann. Ganz subjektiv, nicht weil es nützlich ist oder von Dritten gewollt ist, sondern weil ICH WILL.