Eine kleine Geschichte des Geldes

 

Am 15. Juli 2019 war wieder Steuerzahlergedenktag. Nach den Berechnungen des Bund der Steuerzahler hat der durchschnittliche Steuerzahler bis zu diesem Tag in 2019 nur für Zwangsabgaben gearbeitet.

 

Wir arbeiten für Zahlen in Computern, für Guthaben auf Konten, für bedruckte Papierzettelchen, die erstaunlicher weise von praktisch alle Menschen als Geld akzeptiert werden. Und gut ein halbes Jahr lang behalten wir dann unsere Papierzettelchen nicht mal, sondern geben sie an den Staat ab. Warum ist das so?

 

Ein Erklärungsversuch, beginnend in grauer Vorzeit:

 

Menschen wirtschaften arbeitsteilig, weil so insgesamt mehr Güter innerhalb einer Wirtschaftsgemeinschaft, eines Dorfes, eines Stammes, eines Landes, produziert werden können, als wenn alle ihre jeweils benötigten Güter selbst produzierten.

 

Der eine hütet also Schweine während der andere Holz fällt, der andere Gemüse anbaut, der nächste Leder gerbt und so weiter. Warum ist das effizienter als Selbstversorgung, in der jeder ein bisschen Holz fällt, ein bisschen Schweine züchtet und ein bisschen Leder gerbt?

 

Weil alle Tätigkeiten einen gewissen Lernerfolg und damit Investition von Lebenszeit erfordern, die dann für Produktion fehlt; und weil während des Wechsel von einer zu anderen Tätigkeit immer Zeit verloren geht. Wenn ich im Wald Holz fällen war und dann zu meinem Schweinestall gehe, produziere ich während des Weges nichts.

 

Es entwickelt sich also eine arbeitsteilige Gesellschaft, was automatisch zur Tauschwirtschaft führt. Der eine hat Schweinefleisch, der andere Honig, der andere Holz usw.

 

Tauschwirtschaft hat das Problem, dass immer zwei Personen zusammen finden müssen, die gleichzeitig das anbieten, was der andere nachfragt und im selben Moment das nachfragen, was der andere anbietet. Daher wird ein marktgängiges Gut verwendet, um dieses Problem zu minimieren. Dieses allgemein nachgefragte Tauschgut ist zunächst ein Warengeld, also eine sehr marktgängige Ware.

 

Beispiel: Ich produziere Fleisch und benötige Kerzen. Nun kann ich versuchen, jemanden zu finden, der mit mir Kerzen gegen Fleisch tauscht. Während ich nach dieser Person suche, kann das von mir produzierte Fleisch verderben, womit ich einen Verlust erleiden würde.

 

Ich weiss jedoch, dass sehr viele Menschen gerne Bier trinken. Also tausche ich das Fleisch zunächst gegen Bier, was länger haltbarer und marktgängiger ist – sprich Bier wird von mehr Menschen gleichzeitig nachgefragt. Das Bier tausche ich dann gegen die Kerzen, die ich eigentlich benötige. Im Laufe der Zeit kommen immer mehr Menschen auf diese Idee, was die Marktgängigkeit von Bier noch weiter erhöht. Bier entwickelt sich zum führenden Warengeld.

 

Nun kommt irgendwann jemand auf die Idee, Bier durch etwas Seltenes und Unverderbliches wie Gold oder Silber zu ersetzen. Das vereinfacht den Handel weiter, da dieses Warengeld nicht verderblich und auch nicht in beliebiger Menge produziert werden kann. Gold- und Silbermünzen etablieren sich als allgemeingültiges Geld.

 

 Wirtschaftlich erfolgreiche Menschen häufen im Laufe der Zeit viel Gold und Silber an, was das Problem der Lagerung und Sicherung dieses Vermögens mit sich bringt. Menschen kommen auf die Idee, eben dieses Verwahren als Dienstleistung anzubieten und gründen die ersten Banken. Zunächst schleppen die Leute ständig Edelmetall zur Bank und dann wieder von der Bank weg, bis jemand auf die Idee kommt, einfach den Herausgabeanspruch auf die Edelmetallmünzen auf Urkunden, Steintafeln, Dokumenten, Geldscheinen festzuhalten. Das Edelmetall bleibt in der Bank, nur der verbriefte Herausgabeanspruch darauf wird noch herum gereicht, was den Handel weiter vereinfacht.

 

Irgendwann fällt den Bankern auf, dass nie gleichzeitig alle Menschen ihren Herausgabeanspruch auf Edelmetallgeld ausüben, es bleibt immer ein Bodensatz an Münzen in der Bank. Da liegt die Idee nahe, einfach mehr Herausgabeansprüche zu verbriefen, als tatsächlich Gold im Tresor liegt. Wie sollen das die Leute merken, wo doch nie gleichzeitig alle auf einmal ihren Herausgabeanspruch einlösen?

 

So fangen die Banken also an, mehr Titel auf Geld, sprich verbriefte Herausgabeansprüche auf Edelmetall, herauszulegen als sie Geld haben. Warum? Weil sie für das Herauslegen dieser Titel Zinsen vereinnahmen, sprich selbst mehr verdienen, wenn sie mehr Scheingeld ausstellen. So lange es viele verschiedene Banken gibt, die ihre eigenen Titel auf das Edelmetallgeld herauslegen, übertreiben die Banken das jedoch nicht. Denn die Menschen lösen die im Wirtschaftsverkehr erworbenen Herausgabeansprüche bei ihnen fremden Banken durchaus regelmäßig ein, sprich lassen sich von Banken, denen sie weniger als ihrer Hausbank vertrauen, Edelmetallgeld physisch auszahlen. So sorgt also der Wettbewerb unter verschiedenen eigenständigen Banken dafür, dass das Verhältnis von Gold- zu Papiergeld gut bleibt. Denn würde eine Bank einmal einen Herausgabeanspruch eines Kunden nicht erfüllen können, so würde das Vertrauen in diese Bank zusammenbrechen und es käme zum Bank Run, und damit zum Untergang der betreffenden Bank.

 

Stellen wir uns nun einmal vor, dass sich mehrere Banken zusammenschließen. Wenn es eigentlich bei der einen Bank an Edelmetall mangelt, springen andere Banken ein und leihen dieser Bank etwas von ihrem Gold. Würden so nicht alle Banken gemeinsam mehr Papiergeld verzinslich herauslegen können, ohne einen Bank Run zu riskieren? So bilden sich also Bank-Kartelle, denn gemeinsam können sie das Verhältnis von Gold- zu Papiergeld weiter zu ihren Gunsten verändern.

 

Auch dieser Prozess wird jedoch natürlicherweise dadurch gebremst, dass es so immer noch Konkurrenz zwischen verschiedenen Bankkartellen gibt. Das gleiche Prinzip wie bei einzelnen freien Banken gilt auch zwischen mehreren Kartellen. Würde das eine Kartell das Vertrauen seiner Kunden verlieren, so würde das gesamte Kartell einen Bank Run erleiden und zusammenbrechen, die Kunden würden ihr Gold zu benachbarten Banken oder Kartellen übertragen. Es gibt also immer noch die Möglichkeit, aus dem System auszusteigen und sein Goldgeld in Sicherheit zu bringen. Diese Tatsache begrenzt auch hier wieder das Verhältnis zwischen echtem und gedrucktem Geld.

 

Aus Perspektive der Personen, die davon profitieren, immer mehr Papiergeld im Verhältnis zu echtem Geld herauszulegen, muss es also attraktiv sein, die Größe des Kartells immer weiter zu vergrößern.

 

Welche Personen profitieren davon, immer mehr Papiergeld zu drucken? Die Antwort hängt untrennbar mit dem Begriff der Inflation zusammen. Der Preis eines Gutes ergibt sich aus Angebot und Nachfrage. Wenn also einer gegebenen Menge an Gütern eine steigende Menge an Geld gegenüber steht, steigen tendenziell die Preise.

 

Wenn also innerhalb eines Bankenkartells immer mehr neues Geld gedruckt wird, steigen die Preise der angebotenen Güter. Für diejenigen, die das neu gedruckte Geld zuerst bekommen, ist das jedoch kein Nachteil. Denn diese Personen kaufen ja noch zu den alten Preisen und lösen den Preisanstieg erst aus. Die Personen hingegen, die erst später an das neue Geld kommen, müssen dann bereits zu gestiegenen Preisen kaufen, was den Vorteil des zusätzlichen Geldes wieder minimiert.

 

Dieses System bevorteilt also zwei Personengruppen: Diejenigen, die aufgrund des Druckens von neuem Geld mehr Geld verleihen können und dadurch mehr Zinsen einnehmen können;

 

Und diejenigen, die zuerst an das neue Geld kommen und noch zu alten Preisen einkaufen können. Diese beiden Personengruppen, und insbesondere Personen, die beiden Gruppen angehören, haben also tendenziell das Interesse, das Bankenkartell möglichst weit auszudehnen.

 

Das bringt uns jetzt zum Staat. Der Staat hat immer Geldbedarf, da er sich mit steigender Finanzkraft mehr Macht erkaufen kann, z.B. durch Unterhalt einer Armee und Wahlgeschenke bzw. Stimmenkauf. Gleichzeitig hat der Staat ein Monopol auf Konfliktentscheidung, das heißt er ist der Endrichter in allen Konflikten die in seinem Hoheitsgebiet auftreten. Judikative, Exekutive und Legislative werden alle aus der Staatskasse bezahlt, was die drei Gewalten effektiv zu einer Gewalt verbindet. Wer ist somit besser zur Durchsetzung eines Bankenkartells geeignet als der Staat?

 

Kooperation zwischen Banken und Staat drängt sich also geradezu auf.

 

Der Staat setzt in seiner Endrichterfunktion ein alleingültiges gesetzliches Zahlungsmittel durch, was de facto das Bankenkartell auf das gesamte Hoheitsgebiet des Staates ausdehnt. Man kann nun nicht mehr von dem einen ins andere Kartell flüchten, es sei denn man verlässt das Land. Im Gegenzug bekommt der Staat immer neues Geld vom Bankensystem bereitgestellt. Dazu erklärt er sich in seiner Endrichterfunktion per Gesetz als unbegrenzt zahlungsfähig, was ihm ermöglicht immer neue Schulden aufzunehmen. Begründet wird seine unbegrenzte Bonität mit der Unbegrenztheit des Steueraufkommens. Das bedeutet, dass der Staat seine Bevölkerung immer in einer Höhe besteuern kann, die es ihm erlaubt, seine Zinsen zu bezahlen. Das stimmt natürlich auch, da der Staat eben das Monopol auf Konfliktentscheidungen hat. Wenn du gegen einen Steuerbescheid klagst, entscheidet jemand über deine Klage, der selbst von Steuergeld lebt.

 

Und eben dieses Monopol auf Konfliktentscheidungen macht das Bankenkartell zum Zwangskartell. Keine Bank kann mehr aussteigen. Kein Bürger kann mehr aussteigen. Alle Finanzgeschäfte müssen mit dem gesetzlichen Zahlungsmittel durchgeführt werden. Insbesondere wird der Staat die Zahlungen von Zwangsabgaben, die seine Bevölkerung zu leisten haben, ausschließlich in diesem gesetzlichen Zahlungsmittel akzeptieren, was stetig Nachfrage nach diesem gesetzlichen Zahlungsmittel schafft.

 

Würde sich beispielsweise eine Gruppe von Menschen zusammenschließen und sich gegenseitig Waren und Dienstleistungen in einer eigenen Währung ab- und verkaufen, so müssten die Steuern auf diese Wirtschaftstätigkeit doch wieder im gesetzlichen Zahlungsmittel geleistet werden. Somit hat sich der Staat durch sein Monopol auf Konfliktentscheidungen auch ein Monopol auf die Zahlungsmittel des Landes gesichert.

 

Werden Parallelwährungen trotzdem zu stark und destabilisieren so die staatliche Währung, verbietet der Staat diese Parallelwährungen, siehe beispielsweise das Verbot des BitCoin in China oder die historischen Goldverbote in Deutschland, den USA, Indien, Großbritannien und so weiter.

 

Der logische nächste Schritt ist dann, das Währungskartell auf mehrere Staaten auszudehnen, in dem man eine Gemeinschaftswährung einführt.

 

Eine Währung, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden.