Sinn statt Glück

Vor kurzem wurde ich gefragt, ob ich eigentlich glücklich sei.

 

Glück sei nämlich, wenn man auch mal lachen kann, nicht alles schwarz / weiß ist und sich nicht alles nur um Erfolg dreht.

 

Da wusste ich, dass es um meinen Instagram Account gehen musste.

Der wie die Selbsttherapie eines Depressiven wirkt, wie ich erfuhr.

Ich antwortete, dass ich lieber im echten Leben statt auf Instagram lache.

Den Eindruck kann ich aber in gewisser Weise durchaus nachvollziehen.

 

Mein Training ist Selbsttherapie.

Mein Schreiben ist Selbsttherapie.

Mein frühes Aufstehen ist Selbsttherapie.

Selbstermächtigung ist Selbsttherapie.

Und Selbsttherapie ist der Wille, die Dinge besser zu machen.

 

Und eben dieser Wille, zur Verbesserung oder zur Leistung, ist und bleibt eben vielen Menschen suspekt.

 

Sei doch einfach du selbst, lieb dich so wie du bist und bleib auf dem Sofa.

Sei eine brave Arbeits- und Konsumdrohne und überlass die wichtigen Dinge mal besser den Mächtigen.

 

Der Denkfehler ist, anzunehmen, dass dieser Wille zur Verbesserung aus Unzufriedenheit und Selbsthass gespeist wird.

Dass es darum geht, vor seiner eigenen Schwäche davon zu laufen.

 

Das Gegenteil ist der Fall.

Der Wille zur Verbesserung und Selbstermächtigung wird aus Selbstliebe gespeist.

 

Es geht nicht darum, Schwäche zu verlieren, sondern Stärke zu gewinnen.

Mehr man selbst zu werden, mehr man selbst zu sein.

 

An sich zu arbeiten, weil man es sich wert ist - nicht weil man es nötig hat.

 

Dieser Weg der Selbstermächtigung, der Stärke, der Disziplin, ist optional.

 

Du kannst wie du bist auf dem Sofa bleiben.

Brot und Spiele sind genug für alle da.

Die Matrix sorgt gut für dich.

Du kannst eine gute Arbeits- und Konsumdrohne sein.

Und du kannst dem Glück hinter her jagen.

Dich mit anderen Menschen vergleichen.

Immer lachen und freundlich sein.

Versuchen, immer mehr von diesem flüchtigen Gefühl namens Glück festzuhalten.

 

Aber funktioniert das?

 

Ich will ein sinnvolles Leben leben.

Ich will die Menschen, die mir wichtig sind, mich selbst eingeschlossen, stolz machen.

Und das bedeutet die Streitaxt zu ergreifen und auf den Kriegspfad zu gehen.