Memento Mori

Du wirst sterben.

Dein Vater wird sterben.

Deine Mutter wird sterben.

Deine Schwester wird sterben.

Dein Bruder wird sterben.

Dein bester Freund wird sterben. Die anderen auch.

Die Familien und Freunde deiner Freunde werden auch sterben.

Dein Haustier wird sterben.

Deine Kollegen werden sterben. Deren Angehörige auch.

Deine Tante und deren Familie wird sterben.

Dein Onkel und seine Familie auch.

Deine Nachbarn werden sterben. Alle.

Die Menschen die du mal kanntest werden sterben.

Die Menschen die du noch kennen lernst werden sterben.

Wir alle werden sterben.

Und alle die vor uns waren sind gestorben.

Und alle die nach uns kommen werden sterben.

 

Ist das Leben deswegen sinnlos?

Sollten wir deswegen jeden Tag leben, als ob es der letzte wäre?

Den ewigen Kreislauf von Leben und Tod als billige Rechtfertigung für unseren Nihilismus?

Blinder Konsum und Triebbefriedigung um jeden Preis als Antwort auf unsere Sterblichkeit?

 

Bedenke:

Wie viele deiner Vorfahren mussten kämpfen, töten und sterben, damit du heute das hier lesen kannst?

Wahrscheinlich kennst du noch deine Großeltern, vielleicht noch deine Urgroßeltern, aber danach kommt nur noch unpersönliche Geschichte.

Ein paar Daten und Fakten aus grauer Vergangenheit, aber kein Bezug mehr zu dir.

Die Wahrheit ist jedoch, dass deine Urgroßeltern auch Eltern hatten. Mit ihrer ganz persönlichen Geschichte voll von Niederlagen und Erfolgen.

Und die hatten auch wieder Eltern, Großeltern und Urgroßeltern. Und so immer weiter zurück in der Zeit.

Spontan fallen mir zahllose Kriege, Pest und Cholera, Pech bei der Partnerwahl und zig andere Möglichkeiten ein, wie mein Stammbaum hätte absterben können. Ist er aber nicht. Deiner auch nicht. Irgendwie haben unsere Vorfahren also ein paar Dinge richtig gemacht, sich irgendwie durch die Zeit gewurschtelt und ihre DNA immer eine Runde weiter gebracht. Danke, Leute!

 

Wenn wir uns das vergegenwärtigen, fühlt sich unser Hedonismus immer noch so gerechtfertigt an?

Rechtfertigen Unzufriedenheit, Groll, Missgunst und letztlich Sterblichkeit die Verschwendung deines Lebens?

Könntest du das guten Gewissens deinen Ahnen erklären?

Stell dir beispielsweise vor du unterhältst dich mit einem deiner Vorfahren, der die DNA deiner Familie durch den Dreißigjährigen Krieg gebracht hat. Der durch Ozeane von Blut gehen musste und doch nie aufgegeben hat. Und dem sagst du jetzt, dass er damals zwar echt einen guten Job gemacht hat, du persönlich es nun aber vorziehst Arbeits- und Konsumdrohne zu bleiben anstatt deine riesigen Freiheiten und Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts auszuschöpfen.

 

Es mag ja sein, dass dir die Welt ungerecht und falsch vorkommt. Gründe dafür lassen sich zweifellos genug finden.

Und der Gedanke, dass es anders werden muss, wenn es gut werden soll, ist verständlich.

Aber wer macht es anders?

Es ist leicht sich schmollend auf die Couch zurück zu ziehen und die Welt zu kritisieren. Und zahllose Gründe zu finden, warum man auf der Couch bleiben und sein Leben Netflix und Pizza widmen sollte.

Die Gesellschaft ist so verblödet.

Die Politik fährt alles gegen die Wand.

Es gibt keine guten Frauen mehr.

Es gibt keine guten Männer mehr.

Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer.

Du hast doch eh keine Chance.

Das Leben ist nicht fair und am Ende stirbst du.

 

Das ist Ressentiment und Ressentiment macht dich zum Opfer.

Diese Gedanken machen dich zum Opfer deiner Weltsicht und halten dich effektiv auf der Couch und vom Handeln ab.

 

Wie wäre es statt dessen hiermit:

Lebe jeden Tag als ob es der letzte wäre, um die Leistungen deiner Vorfahren in Ehren zu halten und deine Kinder und deren Kinder und deren Kindeskinder stolz zu machen.