Im Zweifel Angriff

Sowohl im Geschäfts- als auch im Privatleben muss man nein sagen können.
Wenn ich immer zu allem Ja sage, habe ich schnell so viele Zusagen gemacht, dass ich sie kaum noch halten kann.
Außerdem ist das Ja eines Menschen, der immer Ja sagt, ökonomisch gesehen weniger wert, als das Ja eines Menschen, der nur manchmal Ja sagt. Aber weg von Theorie und ganz pragmatisch gesehen, wie willst du deine eigene Agenda verfolgen, wenn du zu jeder Anfrage, zu jedem Angebot, ja sagst? Wir müssen also Nein sagen können.
Die Kunst besteht natürlich darin, zu wissen, wann man Nein und wann man Ja sagen sollte.
Einerseits müssen wir unsere eigene Zeit und Aufmerksamkeit schützen, andererseits müssen wir uns auch auf genug Neues einlassen, um weiter zu kommen. Ein Balanceakt.
 
Zwei dabei hilfreiche Fragen:
Will ich das wirklich oder sage ich nur aus Bequemlichkeit Ja, weil mir ein Nein unangenehm ist?
Falls ich zu einem Nein tendiere, liegt das vielleicht in Wahrheit daran, dass ich mich innerlich heraus rede?
 
Wie ist das gemeint?
Aus Bequemlichkeit Ja sagen kennt jeder. Und wie meist wenn man etwas aus Bequemlichkeit tut, bringt es Probleme mit sich.
Manchmal ist ein Nein verdammt wichtig und kann schlechte Entwicklungen bremsen oder verhindern.
Beispiel: In deinem Job wird eine neue Regel aufgestellt. Du weisst, dass die Regel Schwachsinn ist. Aus Bequemlichkeit sagst du das deinem Chef aber nicht und akzeptierst die neue Regel. Natürlich mit innerlichem Widerwillen, den du aber mit Groll hinunter schluckst. 
Jetzt bist du mitverantwortlich und musst eine schwachsinnige Regel einhalten. Ein klares Nein, gleich am Anfang, hätte das vielleicht verhindern können. Vielleicht auch nicht, aber dann hättest du wenigstens ein reines Gewissen.
 
Immer wenn wir Ja zu etwas sagen, eine Bitte, einen Befehl, eine Anweisung, eine Regel, eine Empfehlung, annehmen, dann übernehmen wir Mitverantwortung dafür. Und Bequemlichkeit ist ein beschissener Grund, um Verantwortung zu übernehmen. Manchmal ist also ein gut überlegtes und standhaftes Nein wichtig.
 
Das ist manchmal gegenüber uns selbst, aber meistens gegenüber Dritten der Fall.
Anders verhält es sich mit dem Ja. 
Wie oft sagen wir aus Bequemlichkeit Nein zu uns selbst?
Nein zu neuen Herausforderungen, Nein zu Veränderungen, Nein zu Chancen.
Zum Chef immer brav Ja sagen, aber zu sich selbst Nein.
Warum ist das so? 
Verantwortung. 
Wenn ich zu Autoritäten Ja sage, kann ich mich immer rausreden und alles auf die Autorität, auf den Chef, auf den Staat, schieben.
Die oben angesprochene Mitverantwortung des Jas wird unter den Teppich gekehrt.
Anders aber, wenn du von dir aus etwas unternimmst. Wenn dir das keiner gesagt hat, wenn du das ganz von dir aus machst.
Dann bist du allein verantwortlich und kannst dich nicht rausreden.
Deswegen ist es so leicht, im Arbeitsleben zu funktionieren und privat auf der Couch zu vergammeln.
Die Antwort darauf ist offensichtlich: Du musst dich innerlich zu deinem eigenen Chef machen, deine eigene Autorität werden.
 
Wenn du das geschafft hast und von der Couch ins Leben gefunden hast, wirst du immer wieder an den Punkt kommen, wo du eine Idee hast, etwas machen könntest, dir aber nicht sicher bist, ob du es wirklich tun solltest. 
Natürlich werden da im Laufe der Zeit auch Dinge dabei sein, die du wirklich nicht tun solltest.
Aber bei allem, was aus Eigeninitiative kommt, ist es leichter Nein als Ja zu sagen. 
Mach dir das immer wieder bewusst und gehe im Zweifel davon aus, dass du lediglich dein Nein rationalisierst.
Du willst es nicht tun, weil es sich unangenehm anfühlt. Also rechtfertigst du dein Nein.
Besonders gerne mit "Das bringt doch eh nichts". Wenn ich etwas erfolgreich für sinnlos erklärt habe, dann brauche ich es nicht mehr probieren, mich nicht mehr anstrengen. Und kann mich wieder gemütlich in meinem Ressentiment auf der Couch einrichten.
 
Deswegen:
Im Zweifel Angriff.
Wenn du dir nicht sicher bist, mach es.
Weil die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass der Grund für dein Zögern bloß Bequemlichkeit ist.
Wenn du im Zweifel angreifst, gibst du dir im Laufe der Zeit viel mehr Chancen zu gewinnen.
Und du wirst viel schneller dazu lernen, auch und gerade wenn es mal schief geht.
Vom Sofa aus kannst du nur anderen dabei zugucken. Bist du Zuschauer im Leben oder spielst du selbst?