Das Kriegstagebuch

27 ungelesene WhatsApp Nachrichten, 8 Anrufe auf dem dienstlichen Anrufbeantworter, 5 Mailbox-Benachrichtigen auf dem Handy, mehrere ungeöffnete Briefe, drei verschiedene Email-Postfächer die sich langsam füllen, dicke Stapel von Unterlagen, die noch gesichtet werden müssen und zahllose Datenfriedhöfe überall.

Wie im Pulverdampf des Alltags den Überblick bewahren?

 

Zahllose kleine und große Aufgaben müssen unter einen Hut gebracht werden, der Job, private Projekte, soziale Verpflichtungen und so weiter.

Das alles in einem Umfeld, in dem Informationen aus zahllosen Kanälen auf uns einprasseln.

Mail, WhatsApp, Telefon, Facebook, physische Post, YouTube, Instagram, Twitter und wie sie alle heißen.

Gleichzeitig haben wir natürlich auch unendlich viele Möglichkeiten, Informationen zu filtern, zu verarbeiten und abzulegen.

Zum Beispiel in unseren Mail-Programmen, in Evernote, in Word-Dateien, in physischen Kalendern, Ordnern und Notizbüchern, in unseren Smartphones, in der DropBox usw.

 

Die Lage ist also: Viele verschiedene Eingangskanäle und viele verschiedene Verarbeitungs- und Ablagesysteme.

Input von allen Seiten, auf allen Kanälen, rund um die Uhr.

Was davon ist wichtig? Was davon sollte ich am besten ignorieren? Während du noch darüber nachdenkst, was Priorität hat, kommen noch mehr Nachrichten, Mails und Anrufe dazu.

Also einfach auf das reagieren, was am lautesten schreit? Wer drängelt kommt zu erst dran?

Dann bist du nur noch in Reaktion. Wenn du das Heft des Handelns in der Hand halten willst, agieren statt reagieren willst, kann das nicht die Lösung sein. Treiben dich deine Umstände oder treibst du deine Umstände? Ist deine Umwelt dein Produkt oder du ein Produkt deiner Umwelt?

 

Wenn du deine Ziele anstatt der Ziele anderer erreichen willst, musst du das Steuerrad deiner Aufmerksamkeit immer fest im Griff halten.

Deine Aufmerksamkeit ist in Zeiten von unendlichem Ablenkungspotential deine wertvollste Ressource. Alle wollen sie, die meisten um damit Geld zu verdienen. Wie viel deiner Aufmerksamkeit verkaufst du an deinen Arbeitgeber und wie viel Aufmerksamkeit verschenkst du an Social Media? Die Verteilung deiner Aufmerksamkeit und deines kognitiven Potentials bestimmt, ob du Arbeits- und Konsumdrohne oder frei bist.

 

Wie also durch den Ozean von Informationen navigieren? Wie verhindern, sich im Netz der Aufmerksamkeitsfischer zu verheddern?

Mit was ich Kriegstagebuch nenne. Das eine Steuerrad, um trotz Datenflut und den Stürmen des Alltags deine Ziele zu erreichen.

Es ist das Meta-Informationssystem - die Nutzung aller Apps, Programme, Anrufbeantworter, und somit letztlich meiner Aufmerksamkeit, richtet sich nach den Schwerpunkten, die ich mir hier setze.

Es ist ein Werkzeug um deinen Willen in der Welt zu realisieren - nicht um deine Gefühle oder ähnliche Belanglosigkeiten auszubreiten.

Sich mit Gefühlen auseinander zu setzen, kann manchmal richtig und wichtig sein, aber nicht im Kriegstagebuch.

Hier geht es um deinen persönlichen Kriegspfad - darum, deine Ziele zu erreichen und deinen Willen zu manifestieren.

Das Kriegstagebuch ist der Marschkompass auf dem Weg vorwärts.

 

Ich persönlich benutze eine gebundene hardcover Kladde in DinA4, aber kleinere Formate können auch gut funktionieren, je nach dem wie voll deine Tage sind und was sich gut in deine Arbeitsumgebung integrieren lässt sind. Aber in jedem Fall sollte das Kriegstagebuch papierhaft und nicht digital sein. Das hat eine Reihe von Gründen, insbesondere Zuverlässigkeit / Unabhängigkeit von Strom und Internet, Abgrenzung von der digitalen Informationsflut und die Freiheit nicht nur mit Text sondern auch mit Skizzen und Symbolen zu arbeiten. Mit der Zeit entwickelt sich durch Handschrift, verwendete Symbole und Struktur etwas ganz persönliches, dein Steuerrad fügt sich genau in deine Hände ein.

 

Jeder Tag bekommt eine Seite. Wenn der Platz nicht reicht, wähle ein anderes Format oder hinterfrage, was du alles aufschreibst.

Informationen sollten generell da abgelegt werden, wo du sie brauchst. Wenn du beispielsweise tagsüber am PC arbeitest, bietet es sich an, die Aufgaben für deine Zeit am PC auch dort zu verwalten. Nehmen wir mal an, du bekommst einen Großteil deiner Informationen, Aufgaben, Termine usw. per Mail. Dann macht es Sinn, eben diese Daten auch in deinem Mailprogramm zu verwalten.

Das Kriegstagebuch dient deinem Überblick, soll dir helfen, deine Prioritäten nicht aus den Augen zu verlieren, dich nicht vom Alltagswahnsinn von deinem Kriegspfad abbringen zu lassen, es soll nicht ein Protokoll aller kleinen Alltagsaufgaben sein.

 

Jeder Tag bekommt einen Schwerpunkt - das Hauptziel des Tages. Auch wenn alles aus dem Ruder läuft und deine Pläne für den Tag über den Haufen geworfen werden, diese eine Sache muss erledigt werden und hat Vorrang vor allen anderen Aufgaben. Jeden Tag selbst zu bestimmen was das Ziel des Tages ist, anstatt dich einfach planlos deinem Alltag auszuliefern, ist elementar um auf dem richtigen Pfad zu bleiben. Allein schon dadurch, dass du dich jeden Tag fragst, was heute am wichtigsten ist, wird dir viel bewusster werden, was du tust. Auch psychologisch hat es natürlich einen starken Effekt, ein konkretes, selbst gesetztes Ziel zu haben. Jeder Tag bekommt einen Sinn, wird bedeutungsvoll.

 

Das heißt nicht, dass du jeden Tag Heldentaten vollbringen musst. Nach einer produktiven Woche kann das Ziel des Tages auch sein, zu entspannen, abzuschalten und dich zu erholen. Es geht viel mehr darum, bewusst zu leben und dein Leben selbst zu gestalten, anstatt von deinen Umständen gelebt zu werden. Was an den meisten Tagen natürlich das Bewältigen von Aufgaben, das Lösen von Problemen, bedeutet. Deswegen wird es auch immer Seiten in deinem Kriegstagebuch geben, die wie eine große To-Do-Liste wirken. Etliche Aufgaben samt Checkboxen zum Abhaken. Das ist ok, so lange diese Aufgaben sinnvoll sind und du dich nicht einfach nur mit Kleinkram von den wirklich wichtigen, meist schwierigen, Dingen ablenkst. Die Frage was du tust, ist unendlich viel wichtiger als die Frage, wie viel du tust.

 

Dinge aufzuschreiben ist der erste Schritt um sie zu realisieren. Wenn ein Gedanke es durch deine Hand aufs Papier schafft, hat seine Materialisierung schon begonnen. Was aufgeschrieben wird, geschieht. Das ist keine Esoterik oder Magie, sondern liegt einfach daran, dass du deine Gedanken und Ideen viel ernster nimmst, wenn du sie aufschreibst. Wenn ich etwas in mein Kriegstagebuch geschrieben habe, merkt sich mein Unterbewusstsein das als wichtig. Und wenn ich eine konkrete Aufgabe am Ende des Tages nicht erledigt habe, übertrage ich sie auf die nächste Seite, in den nächsten Tag. Allein diese beiden Punkte, durchs Schreiben das Unterbewusstsein programmieren und Aufgaben bis zur Erledigung immer wieder auf die nächste Seite zu übertragen, sorgen dafür dass du tust was du schreibst.

 

Und was du tust, formt dein Leben. Und, Schritt für Schritt, auch deine Welt. Das bringt uns wieder zurück zur Frage, ob du dein Leben lebst oder das Leben dich lebt. Ob du Produkt deiner Umwelt bist, oder deine Umwelt ein Produkt von dir.

 

Ab und an gelingt es Massenmedien in meine Aufmerksamkeit einzudringen. Wenn das passiert, ist mein Eindruck meistens, dass die ganze Welt verrückt ist. Gesellschaftlich und politisch durchgeknallt. Schwäche wird zu Stärke verdreht, Stärke zu Schwäche.

Ein möglicher Impuls ist dagegen ankämpfen zu wollen. Aber in dem du dem Wahnsinn deine Aufmerksamkeit schenkst, machst du ihn einflussreicher. Konsequent ignorieren und dein eigenes Leben, deine eigene Welt, erschaffen.

Die Wertvorstellungen deiner Umwelt passen dir nicht? Finde oder erschaffe eine Gruppe, deren Wertvorstellungen du teilst. Deine Arbeitsbedingungen passen dir nicht? Gründe dein eigenes Unternehmen.

In der nordischen Mythologie erschlagen Odin und seine Brüder den Riesen Ymir und formen aus seinem Leichnam die Welt.

Welchen Riesen wirst du erschlagen und was wirst du aus seinem Leichnam erschaffen?